Die Architektur

Gestaltungspreis

Von Anfang an war es das erklärte Ziel der Stifter, dass die Architektur des Zentrums der Ingenium Stiftung der Funktion – also den Bedürfnissen der Menschen mit Demenzerkrankung folgen muss und nicht umgekehrt. Beim Entwurf des Gebäudes in enger Zusammenarbeit zwischen dem Architekturbüro Ziersch und der Ingenium Stiftung wurden eine Vielzahl von persönlichen Erfahrungen der Stifterfamilie, v.a. aber von Mathilde Greil und des damaligen Projektleiters Dr. Winfried Teschauer unmittelbar in die Planungen eingebracht. Das Ineinandergreifen Pflege- und Raumkonzepten erscheint uns als Grundlage einer optimalen Versorgung.

 

So schien es z.B. eine Selbstverständlichkeit zu sein, dass alle Räume, die von Bewohnern genutzt werden, mit Tageslicht ausgestattet wurden. Alleine diese 

Tatsache führt zu einer natürlichen Tagesstrukturierung für die Bewohner in
Abhängigkeit vom Sonnenlicht. Komplizierte technische Beleuchtungssysteme, die
für Bewohner bestimmte Lichtverhältnisse mit großem Aufwand simulieren, sind
damit unnötig. Im Ergebnis sind Bewohner mit ausgeprägter Nacht-Aktivität kaum
vorhanden. Das ursprünglich geplant Nacht-Café wurde nicht verwirklicht, weil
dessen Nutzer fehlen.

 

Die Basis der architektonischen Überlegungen bilden zwei Wohngruppen pro Etage, den innen liegenden Garten umgeben. Der besonders großzügige und lichte Gang ist so gestaltet, dass er ein scheinbar grenzenloses Kontinuum für den Anteil der Bewohner mit großem Bewegungsdrang („Wanderer“) bietet, wobei meist der Blick in den beschützenden Garten fällt. Durch sensible Verwendung von Farben und Licht sind z.B. die Ein- und Ausgangssituationen so gestaltet, dass sie auf die Bewohner unattraktiv wirken. Als Konsequenz ergeben sich Situationen der Hinlaufgefährdung höchst selten.

 

Als besonders wichtig haben sich auch die Nischen herauskristallisiert, die an verschiedenen Stellen des Grundrisses eingestreut worden sind. Sie bieten die
Möglichkeit z.B. eine Frisierecke nach milieutherapeutischen Gesichtspunkten
einzurichten oder in der Wohnküche in eine Rückzugsmöglichkeit zum Ruhen auf
einem Sofa zu finden und trotzdem „dabei“ zu sein.

 

Die Wohngruppen bestehen aus je acht Einzel- und zwei Doppel- bzw. 

Mehrbettzimmern. Die Zimmer dienen den Bewohnern eher als Rückzugsraum denn als Lebensmittelpunkt. Letzteren finden sie in den Gruppenräumen bei

gemeinsamen Aktivitäten.

 

 

 

Gestaltungspreis 2005